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Für die Interpretation von beschleunigten Alterungsmessungen
durch hohe Photonenflüsse einer Röntgenröhre sind einige
Punkte zu bemerken:
- Die Konversion eines Cu-
-Photons erzeugt
ungefähr 320 Primärelektronen und damit rund 10 mal mehr als
ein minimalionisierendes Teilchen beim Durchfliegen des 3 mm
hohen Gasvolumens des Driftraumes (siehe Kapitel 4.3 und 4.6.5). Betreibt
man die GEM-MSGC mit den für die später
vorgesehene Gasverstärkung erforderlichen Betriebsspannungen
an der GEM-Folie und an den Kathoden, so ist die Ionendichte
in der Lawine bei einem Betrieb mit Röntgenstrahlen ebenfalls
10 mal höher als bei minimalionisierenden Teilchen.
Ist die aller Ansicht nach für Alterung verantwortliche
Polymerisationsrate proportional zur Radikaldichte, die
ihrerseits proportional zur Elektronendichte in der Lawine
sein wird, dann ist bei Röntgenbestrahlung die Belastung
deutlich höher.
- Auch bei einer Beschleunigung der Alterungsmessung durch
Erhöhung des Teilchenflusses ist die Ionendichte in
Anodennähe höher als bei nominellem Teilchenfluß. Damit
steigt auch wieder die Radikaldichte und die Polymerisationsrate.
Es ist nicht offensichtlich, ob ein höherer Gasfluß durch
den Detektor dies wieder ausgleichen kann, da die Ionen und Radikale in
der Gasverstärkungslawine nicht ausreichend langlebig sind, um sich durch
den Gasfluß nennenswert zu bewegen. Nur langlebige Komponenten wie Fragmente
oder Verunreinigungen, die durch Ausgasen oder in der Lawine selbst erzeugt
werden, können durch den Gasfluß aus dem Detektorvolumen gespült werden. Durch eine
Erhöhung des Gasflusses ist außerdem nicht sichergestellt,
daß auch tatsächlich das Gas im Detektor häufiger
ausgetauscht wird. Durch die Bildung von Wirbeln oder
Strömungen können Bereiche entstehen, in denen das Gas nur
wenig ausgetauscht wird.
- Aufgrund der unterschiedlichen Energiedeposition durch
Konversion von Photonen und durch den Energieverlust von
minimalionisierenden Teilchen ist die Strahlenbelastung im Material verschieden.
So ist z. B. die lokale Energiedeposition in der diamond-like Coating-Schicht
bei Konversion eines Photons deutlich
höher als der Energieverlust eines minimalionisierenden
Teilchens. Durch die geringe Konversionswahrscheinlichkeit
für Photonen in der dünnen Kohlenstoffschicht ist jedoch die
Flächenbelastung der Schicht bei gleichem Teilchenfluß mit
minimalionisierenden Teilchen um eine Größenordnung höher.
Durch die Strahlenbelastung gegebenenfalls verursachte
Veränderungen der Coating-Schicht, die zu
Veränderungen der Feldstruktur zwischen Anoden und Kathoden
führen, können also im Experiment anders sein als bei den
Labortests.
Kommt es durch Bestrahlung zu einem verstärkten Ausgasen von
Verunreinigungen aus den Baumaterialien, so sind auch hier
Unterschiede zwischen Labortests und Experiment möglich.
- Es war bisher allgemein üblich, nur jeweils kleine
Flächen von wenigen Quadratmillimeter des Detektors zu
bestrahlen. Sollte dieser Bereich durch Anodenalterung
geschädigt sein, so bleiben dann genügend andere
unbestrahlte Bereiche für weitere Tests, ohne daß durch
einen neuen Testdetektor wieder andere Parametersätze
berücksichtigt werden müssen. Neuere Untersuchungen in
unserer Arbeitsgruppe zeigen jedoch, daß eine Bestrahlung auf
kleiner Fläche im Vergleich zu großflächiger Bestrahlung
ein zu optimistisches Bild des Alterungsverhaltens geben
können [Ric99].
Also können Alterungsmessungen mit Röntgenstrahlen im Labor
nur der erste Schritt sein. Es ist notwendig, auch eine
großflächige und intensive Bestrahlung mit Teilchen, z. B.
am Paul-Scherrer-Institut, Villigen (Schweiz), durchzuführen. Dies
macht jedoch nur dann Sinn, wenn die Tests im Labor zu keiner Alterung der Detektoren führten.
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Malte Hildebrandt
2001-06-11