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Die Alterung von Gasdetektoren beim Betrieb mit ionisierender
Strahlung ist ein immer wieder heiß diskutiertes Thema im
Detektorbau. Die Prozesse, die zur Alterung ( ageing)
führen, sind sehr komplex. Darum sind verschiedene
Experimente zur Alterung nur schwer vergleichbar, da
Alterungsphänomene von sehr vielen Parametern abhängen und
jedes Experiment andere Parametersätze verwendet. Eine Extrapolation auf andere Bedingungen
ist nur sehr
bedingt möglich.
Daraus ergibt sich klar die Notwendigkeit, Alterungsuntersuchungen unter den jeweils
experimentspezifischen Rahmenbedingungen durchzuführen.
Unter dem Phänomen Alterung versteht man ganz allgemein eine
Verschlechterung der Detektoreigenschaften, so z. B. folgende
Beobachtungen:
- Die Pulshöhe des Ausgangssignals des Gasdetektors
fällt mit fortschreitender Betriebszeit ab.
- Die Energieauflösung des Detektors wird schlechter.
- Es fließt auch ohne Bestrahlung ein Strom zwischen
Driftkathode und Anoden.
Ein detailliertes und wirklich quantitatives Verständnis der
Alterungsprozesse gibt es (noch?) nicht. Trotzdem lassen sich
aus dem Betrieb von Vieldrahtproportional- und Driftkammern in
den letzten Jahrzehnten einige Schlußfolgerungen entnehmen
(siehe [Kad90]):
- Die Lawinenbildung beim Gasverstärkungsprozeß kann als
Mikroplasmaentladung betrachtet werden. In diesem Plasma
werden die Zählgase und vorhandene Verunreinigungen zum Teil
zersetzt, so daß es zur Bildung von teilweise recht
aggressiven Radikalen kommt. Diese freien Radikale können
sich zu langen Molekülketten verbinden (Polymerisation) und
sich dann auf den Elektroden ablagern. Diese Ablagerungen
reduzieren das elektrische Feld z. B. an der Anode, und damit
nimmt die Gasverstärkung bei gleicher Spannung ab.
- Verunreinigungen, die diesen Prozeß unterstützen,
können bereits im Kammergas vorhanden sein oder auch durch
Ausgasen von Baumaterialien oder Komponenten des
Gassystems in die Kammer gelangen. Dies sind z. B.
Halogene aus PVC-Schläuchen und GFK (glasfaserverstärkter
Kunstoff), kohlenstoffhaltige Polymere aus ``"Ol-Bubblern'' oder
Silizium aus Gummidichtungen, Schläuchen, Fetten
(``Silikonfett'') und G10-Material (glasfaserverstärktes
Epoxydharz). Hier reichen schon Verunreinigungen von wenigen ppm, um signifikante Alterungserscheinungen
auszulösen.
Neben dem grundsätzlichen Versuch, diese Quellen der
Verunreinigung und zur Polymerisation neigende Zählgase
(z. B. Kohlenwasserstoffe) zu vermeiden, wird in der Literatur
aber auch von ``Verunreinigungen'' gesprochen, die
Alterungsphänomene vermeiden oder verlangsamen:
- Gaszusätze aus organischen Verbindungen mit Gruppen, die Sauerstoff
enthalten, neigen weniger zur Polymerisation. Der
atomare Sauerstoff bildet in Reaktionen mit Kohlenwasserstoffen
stabile, leicht flüchtige Moleküle (CO,
,
,
), die aus dem Detektor gespült werden. Diese Verbindungen sind z. B.
, Alkohole, Methylal und Dimethylether (DME)
. Mit DME wurden bereits vielversprechende
Alterungsmessungen durchgeführt [Bou94],
[Boi96], [Bec94].
Da DME zudem mit einer hohen Primärionisation,
hohe Driftgeschwindigkeit und guten Eigenschaften als Quencher geeignete Zählgaseigenschaften
besitzt, wurde eine Mischung aus Argon und
Dimethylether im Verhältnis 1:1 als Zählgasmischung für den Betrieb der GEM-MSGCs
gewählt.
- Durch Wasserdampfzusatz wird die Leitfähigkeit schon
vorhandener Verunreinigungen
verbessert und damit die Lebensdauer des Detektors erhöht. Die Verbesserung
der Leitfähigkeit gilt natürlich nicht nur
für mögliche Ablagerungen, sondern für alle Oberflächen
von Isolatoren im Gasvolumen, wie z. B. das GFK-Rahmenmaterial, das
Kapton der GEM-Folie oder die Kleberränder.
Im Rahmen der Untersuchungen des Hochraten-Betriebsverhalten
der GEM-MSGC wurde zur Vermeidung von elektrischen Überschlägen in der
GEM-Folie und an der Klebestelle des Rahmens auf das MSGC-Substrat dem Zählgas
Wasserdampf in einer Konzentration von 0,3 % beigemischt. Die
Überschläge konnten tatsächlich vermieden verden, der
Wasserdampfzusatz führte aber zu erheblicher Anodenalterung (siehe Abschnitt 4.6.5).
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Malte Hildebrandt
2001-06-11