Beim Durchgang eines geladenen Teilchens werden die Atome und Moleküle des Zählgases ionisiert. Die im Driftraum entstandenen Elektronen driften aufgrund des angelegten elektrischen Feldes in Richtung der Anoden, passieren aber auf diesem Weg zunächst die GEM-Folie (siehe Abbildung 4.2).
Die Driftfeldlinien werden im Bereich der GEM-Löcher
zusammengeschnürt, so daß stark inhomogene Felder entstehen. Das Zusammenschnüren
der Driftfeldlinien wird erreicht, indem zwischen der oberen und unteren
Kupferschicht der GEM-Folie eine Potentialdifferenz angelegt
wird (siehe Abbildung 4.3). Durch die großen Feldstärken in einem GEM-Loch werden die
Elektronen beim Durchfliegen so beschleunigt, daß sie weitere
Elektronen durch Stoßionisation erzeugen. Es findet also
bereits hier in der GEM-Folie Gasverstärkung statt. Bei den Tests in dieser
Arbeit wurde bei der elektrischen Beschaltung der GEM-MSGC durch einen Spannungsteiler
erreicht, daß das mittlere Potential der GEM-Folie auf
lag. Für den
Betrieb der full-size GEM-MSGCs wurde die neu entwickelte
GEM-Verteiler-Box A344 [A344] so ausgelegt, daß die Felder
und
gleich groß sind. Dabei wird berücksichtigt, daß das
MSGC-Substrat nicht auf Anodenpotential (``Masse'') liegt, sondern auf einem Potential zwischen
Anoden und Kathoden.
Da der Zwischenraum zwischen Anoden und Kathoden den Potentialunterschied linear
herunterteilt, wurde für die Berechnung des mittleren Potentials des Substrats jeweils zu den Breiten der Streifen zwei mal die halbe Breite des Zwischenraumes addiert.
Damit ergibt sich das mittlere Potential:
.
Das Substrat liegt auf einem mittleren Potential von
.
Damit die Feldstärken für die Felder
und
gleich groß sind,
liegt das mittlere Potential der GEM-Folie auf
.
Anschließend driften die Elektronen weiter zu der Anode, wo
im inhomogenen Feld zwischen Anode und Kathoden (siehe
Abbildung 4.4) wiederum Gasverstärkung stattfindet. Die
Gasverstärkung an den Anoden hängt dabei exponentiell von der Kathodenspannung
und schwach linear von der Driftspannung
ab [Vis96], [Bre97]. Die
Elektronen sammeln sich auf der Anode und fließen in die angeschlossenen Verstärker ab.
Die Gasverstärkung wird also in zwei makroskopisch
voneinander getrennte Bereiche aufgeteilt.
Wenn man annimmt, daß es keine Rückwirkungen der beiden Gasverstärkungszonen
aufeinander gibt und beide Gasverstärker linear arbeiten, dann gilt für die
:
Für eine Gesamtgasverstärkung von 4000 reicht bereits eine
GEM-Verstärkung
, so daß an der MSGC nur eine
Verstärkung
notwendig ist. Damit kann die
Wahrscheinlichkeit für Überschläge an der MSGC durch starkionisierende
Teilchen um mehrere Größenordnungen
reduziert werden.