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Messung der CP-Verletzung bei HERA-B

Die Anwendung der CP-Operation auf eine Quarkumwandlung durch die Schwache Wechselwirkung ist gleichbedeutend mit dem Übergang des Matrixelements $ V_{\rm ik}$ in sein komplex-konjugiertes $ V_{\rm ik}^*$. Wenn also die Schwache Wechselwirkung invariant unter der CP-Transformation wäre, dann müßte die CKM-Matrix reell sein.

Ist an einem Prozeß der Schwachen Wechselwirkung jedoch nur ein einziges Matrixelement $ V_{\rm ik}$ beteiligt, so tritt keine CP-Verletzung auf. Die Übergangswahrscheinlichkeit ist dann nämlich proportional zu $ V_{\rm ik}V_{\rm ik}^*$ und damit reell, da Quadrate immer reell sind. Nur durch die Überlagerung von zwei Amplituden kommt es zu CP-verletzenden Termen.

Darauf beruht die Messung der CP-Verletzung im System der neutralen B-Mesonen. Beobachtet wird dabei der Zerfall eines $ B^0$-Mesons ( $ \overline{b}d$) in ein $ \rm J/\psi$-Meson ( $ \overline{c}c$) und ein $ \rm K^0_s$-Meson ( $ \frac{1}{\sqrt{2}}(\overline{s}d + s\overline{d})$).

Dabei führen der direkte Zerfall

$\displaystyle B^0 \rightarrow J/\psi~K^0_s
$

und der Zerfall über eine vorausgegangene $ B^0$- $ \overline{B}^0$-Mischung

$\displaystyle B^0 \rightarrow \overline{B}^0 \rightarrow J/\psi~K^0_s
$

jeweils in den gleichen CP-Eigenzustand (Abbildung 1.3). Da jedoch nicht unterschieden werden kann, ob der Endzustand direkt oder über eine $ \rm B^0$- $ \overline{B}^0$-Mischung erreicht wurde, interferieren diese beiden Reaktionszweige miteinander. Erst durch diese Interferenz, bei der sich die beiden Amplituden überlagern, kommt es zu einer beobachtbaren CP-Verletzung.

Abbildung: Die Interferenz zwischen dem direkten Zerfall (oberer Zweig) und dem Zerfall nach einer vorangegangenen $ \rm B^0 \leftrightarrow \overline{B}^0$-Umwandlung (unterer Zweig) erlaubt die Messung der CP-Verletzung. Die $ \rm B^0 \leftrightarrow \overline{B}^0$-Umwandlung wird dominiert durch den Austausch von top-Quarks.
\includegraphics [scale=.5]{Bilder/HeraB/B-Umwandlung.eps}

Dieser Zerfall wird auch als der ``goldene B-Zerfall'' bezeichnet, denn er besitzt drei wesentliche Eigenschaften:

Abbildung 1.4: Der ``goldene'' B-Zerfall $ \rm B^0 \rightarrow J/\psi~K^0_S$. In einer pN-Kollision erzeugt das Proton am Drahttarget in seltenen Fällen ein Paar von B-Mesonen. Im ``Signal-Pfad'' zerfällt das $ \rm B^0$-Meson in ein $ \rm J/\psi$ und ein $ \rm K^0_s$. Eingezeichnet sind die weiteren Zerfallsprodukte und die Energien der Teilchen. Im ``Tagging-Pfad'' wird das mit dem neutralen B-Meson gleichzeitig entstandene geladene B-Meson über Leptonen und K-Mesonen identifiziert.
\includegraphics [scale=.5]{Bilder/HeraB/B-Decay.eps}



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Malte Hildebrandt
2001-06-11