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Das Unitaritätsdreieck

Wenn man die Unitaritätsbeziehung aus Gleichung (1.3) auf die erste und dritte Spalte der CKM-Matrix anwendet, erhält man folgende Beziehung:

$\displaystyle V_{\rm ud}V_{\rm ub}^* + V_{\rm cd}V_{\rm cb}^* + V_{\rm td}V_{\rm tb}^* = 0$ (1.5)

Es gilt in guter Näherung $ V_{\rm ud} \approx 1$, $ V_{\rm tb} = 1$ und $ V_{\rm cd} = -\lambda$, und damit folgt aus Gleichung (1.5):

$\displaystyle V_{\rm ub}^* + V_{\rm td} = \lambda~V_{\rm cb}^*$ (1.6)

Diese Gleichung läßt sich geometrisch in der komplexen ( $ \rho, \eta$)-Ebene als sogenanntes Unitaritätsdreieck darstellen (Abbildung 1.1). In der hier gewählten Darstellung wurden die Längen mit dem Faktor $ \frac{1}{\left\vert \lambda \cdot V_{\rm cb} \right\vert} $ skaliert, damit die beiden unteren Ecken des Dreiecks an den Punkten (0, 0) und (1, 0) liegen.

Abbildung: Das Unitaritätsdreieck der CKM-Matrix in der ($ \rho $$ \eta $)-Ebene der Wolfenstein-Parametrisierung
\includegraphics [width=.7\textwidth]{Bilder/HeraB/triangle.eps}

CP-Verletzung ist im Standardmodell nur dann möglich, wenn $ \eta \neq 0$ und damit die Fläche des Unitaritätsdreiecks ungleich Null ist. Für die CKM-Matrix bedeutet dies, daß in der oben gewählten Parametrisierung die Amplituden $ V_{\rm ub}$ und $ V_{\rm td}$ eine imaginäre Komponente haben.

Als Vorgriff auf den nächsten Abschnitt sei bereits hier erwähnt, daß die Meßgröße bei HERA-B $ sin 2\beta$ ist. Das Unitaritätsdreieck in Abbildung 1.1 zeigt, daß dann für $ \beta \neq 0$ auch $ \eta \neq 0$ sein muß.



Abbildung 1.2 zeigt die Position ( $ \eta, \rho$) der Dreiecksspitze, wo sie aufgrund von neuen Messungen und Analysen erwartet wird [Par98]. Danach liegt der Wert bei $ \sin 2\beta = 0,73 \pm 0,08$.

Abbildung: Die Position der Spitze des Unitaritätsdreiecks in der $ \overline{\rho}$- $ \overline{\eta}$-Ebene, aus [Par98]. Aufgetragen sind $ \overline{\rho} = \rho(1 - \frac{\lambda^2}{2})$ und $ \overline{\eta} = \eta(1 - \frac{\lambda^2}{2})$. Die schwarzen Linien geben den 68 % und den 95 % Vertrauensbereich an, wie er von den gegenwärtigen Daten und Analysen (graue und gepunktete Kurven) vorhergesagt wird.
\includegraphics [bb=39 0 486 249,clip,width=.7\textwidth]{Bilder/HeraB/haricot/vancouver_haricot.EPS}

Eine Analyse [OPA98] der OPAL-Kollaboration bei LEP am CERN (Genf) im Januar 1998 ergab nach der Auswertung von 24 Ereignissen $ \sin 2\beta = 3,2^{+1,8}_{-2,0}(stat) \pm 0,5(syst)$.

Im September 1998 veröffentlichte die CDF-Kollaboration beim Tevatron am Fermilab (Chicago) eine Messung [CDF98], die ungefähr 200 Ereignisse beinhaltet und den Wert $ \sin 2\beta = 1,8 \pm 1,1(stat) \pm 0,3(syst)$ ergibt. Im Februar 1999 folgte ein auf ungefähr 400 Ereignissen beruhendes vorläufiges Resultat [CDF99] mit $ \sin 2\beta = 0,79^{+0,41}_{-0,44}(stat+syst)$.

Damit scheint aber zunächst fast nur die Aussage möglich, daß $ 0 < \sin 2\beta < 1$, wie man dies mathematisch im Standardmodell auch erwarten würde. Es bleibt damit HERA-B vorbehalten, den Wert von $ sin 2\beta$ genau zu messen, d. h. die Fehlergrenzen deutlich zu verkleinern, so daß eine signifikante Aussage über CP-Verletzung im Standardmodell möglich ist.


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Malte Hildebrandt
2001-06-11